Unerzogen

Anja von Beziehungsweiseliebe



Unerzogen – Leben in absoluter Akzeptanz der Individualität und bedingungsloser Liebe

Was für eine hoch trabende Überschrift. Aber wenn ich ehrlich bin, dann ist es genau der eine Satz, der das unerzogen leben für mich in aller kürze perfekt auf den Punkt bringt. Für viele ist unerzogen ein absolut negativer Begriff. Er bedeutet für die Mehrheit der Menschen, dass eine Person negativ auffällt und nicht in der Gesellschaft leben kann, da er schlecht mit anderen umgeht. Genau genommen bedeutet unerzogen aber nur, das jemand nicht erzogen wird oder wurde. Erziehen wird in diesem Kontext als das gesehen, was es für die meisten Menschen auch ist. Nämlich ein formen, ein hervorrufen von gewünschtem Verhalten bei gleichzeitigem abschaffen von unerwünschtem. Genau das ist es, was die Erziehung durch Lob, Strafen, Tadel und Bewertung mit den Kindern macht.

 

Leben ohne Erziehung – ja das geht.

 

Friedrich W. A. Fröbel sagte zu Lebzeiten: „ Erziehung ist Beispiel und Liebe – sonst nichts.“ Und nein, wenn man diese Definition der Erziehung als Grundlage nutzt, dann ist ein Leben ohne Erziehung nicht möglich. Denn unsere Kinder werden sich immer ein Vorbild an uns nehmen. Wenn wir aber ehrlich sind, leben die wenigsten Menschen, die von sich sagen sie erziehen ihre Kinder, nach dieser Definition.

Ob nun die Bezeichnung unerzogen genutzt wird oder nicht, das halte ich für Wortklauberei. Denn eigentlich geht es dabei doch um die Haltung dem Kind – oder anderen Menschen im allgemeinen gegenüber und um den Umgang . Darum wie diese Haltung gelebt wird.

 

Es geht immer um die Haltung

 

Die Grundlage vom unerzogenem Leben ist, dass man alle Menschen als gleichwertig und gleichwürdig betrachtet. Dazu zählen Kinder eben so wie der Partner oder die eigenen Eltern. Wir sind alle Menschen. Und nur weil Kinder kleine Menschen sind, heißt das nicht, dass ihr Sorgen, Schmerzen und Bedürfnisse weniger ernst genommen werden dürfen. In einer Familie leben wir in einer Gemeinschaft, auch mit unseren Kindern. Das bedeutet, dass diese in Entscheidungen und den Tag ebenso mit einbezogen werden wie auch der Partner. Es gibt keinen logischen Grund, warum unser Tagesplan mehr zählt oder wert sein sollte als der unseres Kindes, nur weil wir größer oder älter sind. Gemeinschaft, das bedeutet auch nicht, dass immer nur das gemacht wird, was das Kind möchte. Natürlich stehen bei einem Baby die Bedürfnisse noch an erster Stelle. Aber je älter die Kinder werden, desto besser können wir auch unsere Bedürfnisse erklären und dann Kompromisse finden, die für alle tragbar  sind.

 

Wir tragen trotzdem die Verantwortung

 

Gerne wird unterstellt, die Kinder würden auf diese Art sich selbst überlassen. Das ist nicht richtig. Es geht nicht darum, dass Eltern die Verantwortung abgeben. Wir bleiben in Beziehung zu unserem Kind, schauen welche Bedürfnisse hinter den Wünschen stehen und vermitteln. Statt ein wütendes Kind zu strafen, weg zu schicken oder allein zu lassen  wird es begleitet. Alle Gefühle dürfen erlebt und ausgelebt werden. Grenzen werden gewahrt, und ein Nein vom Kind genau so respektiert, wie das eines anderen Erwachsenen. Sicher fehlt Kindern in einigen Fällen die Weitsicht, dann obliegt es unserer Verantwortung vor zu sorgen. Das heißt nicht zum Beispiel, das Kind in eine Windel zu zwingen, sondern dann eben eine Windel und Wechselkleidung dabei zu haben. Das heißt nicht dem Kind bei 5 grad unter Protest Schuhe an zu ziehen, sondern welche mit zu nehmen, damit es diese anziehen kann wenn es gemerkt hat, dass es zu kalt an den Füßen ist.

Es gibt, natürlich, Situationen in denen unsere Kinder n Gefahr sind und wir sie schützen müssen. Durch das Bewahren vor dem auf die Straße laufen, oder duch das verabreichen von Medikamenten, die dringend nötig sind. Wir sollten uns in solchen Momenten erklären und entschuldigen. Aber die Verantwortung liegt bei uns. Dennoch dürfen wir unsere Ängste nicht auf unsere Kinder projezieren. Sie sollen und müssen sogar die Welt erkunden und ihre ganz eigenen individuellen Grenzen, aber auch Stärken kennenlernen.

 

Es gibt kein Patentrezept

 

Das ist wohl eine der wichtigsten Erkenntnisse des unerzogenen Lebens. Es gibt keine Patentrezepte, kein Schema F nach dem in dieser oder jener Situation gehandelt werden kann oder soll - und das ist dann unerzogen, oder richtig. Nicht jeder Weg passt zu jedem Kind oder jeder Familie. Lösungen sind so individuell wie du und ich. Das einzige was dabei zählt ist der Blick aufs Kind. Es als gleichwertigen Menschen zu sehen und es zu achten. Ihm, seiner Meinung, Sorgen, Wünschen und Bedürfnissen genau die gleiche Wichtigkeit beimessen wie anderen Erwachsenen. Niemals zu denken, dass Kinder etwas absichtlich gegen uns tun. Sondern darauf vertrauen, dass alles was sie tun einen Nutzen für sie hat/haben soll. Kinder sind niemals schlecht oder böse. Sie sind keine schlechtere Versionen von uns, die wir erst zu etwas Gutem machen (formen, erziehen) müssen. Kinder sind gut, von Anfang an. Und das zu leben, ist für mich unerzogen. Gelebte, bedingungslose Liebe.Unerzogen – Leben in absoluter Akzeptanz der Individualität und bedingungsloser Liebe

Was für eine hoch trabende Überschrift. Aber wenn ich ehrlich bin, dann ist es genau der eine Satz, der das unerzogen leben für mich in aller kürze perfekt auf den Punkt bringt. Für viele ist unerzogen ein absolut negativer Begriff. Er bedeutet für die Mehrheit der Menschen, dass eine Person negativ auffällt und nicht in der Gesellschaft leben kann, da er schlecht mit anderen umgeht. Genau genommen bedeutet unerzogen aber nur, das jemand nicht erzogen wird oder wurde. Erziehen wird in diesem Kontext als das gesehen, was es für die meisten Menschen auch ist. Nämlich ein formen, ein hervorrufen von gewünschtem Verhalten bei gleichzeitigem abschaffen von unerwünschtem. Genau das ist es, was die Erziehung durch Lob, Strafen, Tadel und Bewertung mit den Kindern macht.

 

 


Wer ist der Mensch hinter der Geschichte?

Wie kam die Idee für deinen Blog?

Kam, weil ich im Freundes und Bekanntenkreis ziemlich als erste Mama wurde, als der Bär geboren war wurden viele andere schwanger und natürlich hat man sich so ausgetauscht. Auch in der Stillgruppe kamen immer wieder die gleichen Fragen auf. Und da man bei uns auf dem Dorf echt teilweise gruseligen Einstellungen und Antworten begegnet, und mir die Motivation fehlte, im zweifel sogar per Whatsapp alles x mal zu erläutern habe ich mich entscheiden einen Blog zu schreiben. Eigentlich also um die Leute in meinem Umfeld zu erreichen und bei wiederkehrenden Fragen nur noch den Blog link schicken zu müssen. Entwickelt hat es sich dann nun doch ganz anders.

Wie fühlst du dich, wenn dein Beitrag fertig ist und du auf veröffentlichen klickst?

Einerseits enorm glücklich und zufrieden wieder etwas geschafft zu haben und damit hoffentlich einigen Menschen helfen zu können bzw. ihnen einen Mehrwert zu bieten. Andererseits ist es auch immer etwas Angespanntheit. Wie oft wird der Beitrag gelesen, wie viel Interesse besteht dafür oder wie kommt er an? Bei manchen Themen denke ich wirklich „uff, ob das jetzt wieder zwei Dutzend Follower/Leser kosten wird?“ - Aber letztlich mache ich es nicht um zu gefallen, oder mich besonders beliebt zu machen. Sondern um eine andere Perspektive im Blick auf - und Umgang mit Kindern auf zu zeigen.


Vielen Dank Anja für deine Geschichte.

 

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